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Himmlischer Träubleskuchen – oder: Schwäbischkurs für Anfänger

Wenn es etwas etwas außer Backen gibt, das ich sehr gerne tue, dann ist es Kochen. Und beim Kochen kombiniere ich gern Zutaten, die man sonst so nicht kombinieren würde. Kombinationen die manche Menschen dazu verleiten, entsetzt zu rufen: „Oh Gott, wie kann man das nur kombinieren“ – oder „Ja, wuäääääääh“! Doch ich tue es trotzdem: Spargel & Erdbeeren, Schokolade & Wasabi, Hühnerfleisch & Papaya. Doch nun werde ich etwas wagen, das eine Herausforderung wird. Das habe ich mich noch nie getraut. Ob ich das überlebe steht an dieser Stelle nicht fest. Also gut! Ich wage es! Ich traue mich! Ich springe über meinen Schatten: Ich bringe meinen deutschen Lesern schwäbisch bei. Ja ich trenne das ganz bewusst. Deutsch und Schwäbisch ist keinesfalls die gleiche Sprache. Und das traue ich mich als Schwabe zu sagen. Denn ich selbst verstehe schwäbisch manchmal nicht. Das Schwabenland hat sonst echt viele Leckereien zu bieten (Spätzle, Maultaschen, Linsen mit Wienerle, Kartoffelsalat, Wurstsalat usw.) aber der Dialekt gehört nicht dazu. *gg*

Da steht „Himmlischer Träubleskuchen„, doch mit Trauben hat der Kuchen absolut nichts zu tun. Denn Träuble, oder noch schlimmer Draibla, sind nichts anderes als Johannisbeeren. Und aus Johannisbeeren kann man leckere Marmelade machen, die in Schwaben komischerweise Gsälz genannt wird. Gsälz enthält meiner Meinung nach das Wort Salz,doch ich kann mich nicht erinnern, jemals Salz in eine Marmelade gestreut zu haben. Entstanden ist das Wort Gsälz tatsächlich dadurch, dass Salz früher die billigste Zutat war, um Dinge haltbar zu machen. Trotzdem merkwürdig, oder nicht? Ein weiteres Kuriosum ist das Wort „hebâ“, also „heben“, doch damit ist nicht „anheben“ gemeint, sondern „festhalten“. Ein Tortenheber ist im Schwäbischen also jemand, der eine Torte festhält. *hihi* „Anheben“ heisst auf schwäbisch übrigens „lupfâ“.

Wenn jemand im Schwabenland zu euch sagt: „I hätt gern a Bretschlengsguatsle ond a paar Hengalabreedla“, dann möchte er/sie eigentlich sagen: „Ich hätte gerne eine Erdbeerbonbon und ein paar Himbeerplätzchen“. Ich bin meinen Eltern sehr dankbar, dass sie mich ziemlich hochdeutsch erzogen haben. Den letzten Rest „Schwäbisch“ hat zum Glück meine Schauspielausbildung erfolgreich aus meiner Sprache entfernt. Es ist schon schwer teilweise durch die deutsche Sprache durchzublicken, aber Schwäbisch ist nochmal eine Sache für sich. Nun aber zum eigentlichen Grund für diesen Beitrag:

Ich liebe diesen Kuchen. Nicht zu süß. Im Gegenteil: Säuerlich!! Und sauer macht lustig. Und erfrischt! Besonders im Sommer ist dieser Kuchen ein Genuss. Auf die Terasse setzen, ein gutes Buch auf dem Schoß und ein gekühltes Stück Johannisbeerkuchen mit Baiserhaube auf dem Teller. Herrlich!!! Baiserhauben sind sowieso das Leckerste der Welt. Wenn es einen Himmel gibt, dann hoffe ich, dass dort alles aus locker, luftigen Baiserhauben gemacht ist. Dann lasse ich mir den ganzen Tag diesen zarten Zuckerschnee auf der Zunge zergehn. Ach wäre das wunderbar!!

Ich habe übrigens den Zucker im Teig (nicht in der Füllung) komplett weggelassen, da ich den Kuchen noch weniger süß haben wollte. Ihr könnt das ganz flexibel handhaben, so wie ihr wollt. Der Mürbteig lässt sich sonst nach dem bewährten 3-2-1-Prinzip herstellen (Nenn nur ich das so?): 300 g Mehl – 200 g Butter – 100 g Zucker…. ganz leicht zu merken. Wer den Kuchen ein bisschen aufpeppen will, der nimmt einfach nochmal 250g Johannisbeeren, taucht sie in Wasser und wälzt sie anschließend in Zucker. Dann auf dem Kuchen verteilen.

Zum Schluss gibts noch einen oiriginal schwäbischen Zungenbrecher:

„Dr Minischdrbräsidend Lodhar Schbäd hôts Schpeck-Bschteck zschbät bschdellt“……was auf deutsch dann ungefähr heißt, dass irgendein Ministerpräsident das Besteck zum Speckessen zu spät bestellt hat. *hihi* Ich hoffe, dass mir meine Blogger-Kolleginnen Joanna und Anna verzeihen, dass ich über die schwäbische „Sprache“ so hergezogen habe. Wenn nicht, muss ich wohl Bestechungsbreelda backen, oder Bestechungs-Preschdlengsgsälz einkochen.

Also dann „adele“ (nein nicht die Sängerin!!)

Euer Backbua

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15 Comments

  • Reply
    Sabinchen
    25. Juli 2012 at 21:05

    Hallöchen Backbua,

    ich hab deinen Blog neulich erst entdeckt und bin ganz hin und weg! Spätestens seit heute! Denn auch ich bin eine waschechte Schwäbin! Beweiß: Am Wochenende gab es Rostbraten mit Spätzle und Linsen, Spätzle und Saitenwürstle sowie Göckele! ;D

    Deswege lass i dir jetzt mol en luschtige Gruß do und mach weiter so!

    PS: Ich mag Träubleskuchen auch sehr, nur leider Baiser nicht so… :( Geht auch mit Schlagsahne als Topping! ;)

    • Reply
      Markus Hummel
      26. Juli 2012 at 10:29

      Schlagsahne, Baiser…… alles subba. ;o)

      Freu mich, dass dir mein Blog gefällt.
      An liaba Gruaß,
      Markus

  • Reply
    tomatenblüte
    26. Juli 2012 at 06:13

    Ja, gell, mir Schwoba halt, aber Kuacha backa kenner ma scho!

    Hast aber schon recht…ich bin froh nicht allzu sehr zu schwäbeln. :)

    • Reply
      Markus Hummel
      26. Juli 2012 at 10:32

      Oh ja, ich kann aber zum Glück noch auf Schwäbisch umschalten. Is beim Theater ganz praktisch. Mach sowieso sehr gern Dialekte nach. Mein Lieblingsdialekt ist allerdings österreichisch. Das liebe ich.

      Und Schwäbisch ist übrigens eine ganz gute Waffe um Menschen loszuwerden, mit denen man sich nicht unterhalten möchte und die nicht aus Schwaben kommen. Die finden das dann ganz fürchterlich unattraktiv ;o)

      Gruß,
      Markus

  • Reply
    Miriam
    26. Juli 2012 at 06:32

    Hallo Backbua! (des sogt ma übrigens a im Boarischen… *g*)
    Der Kuchen ist super – ich liebe ihn. Meine Oma hat den immer gemacht, ich nehm mir das Rezept mal mit auf meine Nachkochliste – die immer länger wird… %-/
    Lg, Miriam

    • Reply
      Markus Hummel
      26. Juli 2012 at 10:34

      Hallo Miriam,
      na das freut mich aber. Dann werde ich versuchen, deine Nackkochliste in Zukunft noch zu verlängern ;o)
      Gruß,
      Markus

  • Reply
    Antonio Llanos Irache
    26. Juli 2012 at 06:46

    Also den hätte ich nun wirklich gern probiert!:-)
    So lecker aus, ich könnte ausrasten!;-)

    • Reply
      Markus Hummel
      26. Juli 2012 at 10:40

      Hi Toni,

      Der Kuchen war so schnell weg, so schnell konnte man gar nicht gucken. Meine lieben Kollegen haben sich sehr gefreut. Die warten schon immer darauf. „Ah heute kommt Markus wieder, der hat bestimmt was gebacken!“ Und ich kann die ja nicht enttäuschen ;o)

      Ich werd dir vom nächsten auf jeden Fall ein Stück abgeben. Versprochen!!

  • Reply
    joanna
    26. Juli 2012 at 08:23

    Du wirst immer besser, Markus, das ist der Hammer!
    Ich mag deinen Schreibstil sehr, und deine Fotos sind top!

    Joanna

    • Reply
      Markus Hummel
      26. Juli 2012 at 10:38

      Hallo Joanna,

      ich weiß nicht, ob ich jetzt rot anlaufen soll, oder vor Freude in die Luft springen soll. Oder beides zusammen!!!!! DANKESCHÖN, für das Kompliment. Und das von dir. Von der Besitzerin des traumhaftesten Blogs aller Zeiten. Vielen, vielen Dank. (Für alle die das hier grad lesen, ich meine diesen hier: http://liebesbotschaft.blogspot.de/)

      Da lass ich mir was ganz Besonderes einfallen. Vielleicht backe ich einen Liebesbotschaft-Dankeschön-Kuchen. Oder kleine Cupcakes. Da hab ich auch schon eine gute Idee ;o)

      Gruß,
      Markus

  • Reply
    Backbubenbruder
    28. Juli 2012 at 16:43

    Wenn ich an einer Stelle Einwände hervorbringen dürfte:

    „Das Schwabenland hat sonst echt viele Leckereien zu bieten (Spätzle, Maultaschen, Linsen mit Wienerle, Kartoffelsalat, Wurstsalat usw.)“

    Das sollte eher heißen:

    „Das Schwabenland hat sonst echt viele Leckereien zu bieten (Spätzla, Mauldescha, Linsa mit Soita, Grombierasalat, Wuschdsalat usw.)“

    • Reply
      backbube
      28. Juli 2012 at 20:51

      Backbubenbruder ist ein toller Name.
      Und Die Korrektur ist berechtigt, wird aber von 99% alle Menschen nicht verstanden) :)

  • Reply
    “Ein Schiff wird kommen”…… « Backbube
    1. August 2012 at 08:57

    […] die mir schon immer den Atem geraubt haben, obwohl sie so einfach herzustellen sind. HIER könnt ihr lesen, was ich mir in meinen kühnsten Träumen vorstelle, wenn ich an Baiser […]

  • Reply
    Mandel-Aprikosen-Kuchen….fruchtig & saftig «
    10. August 2012 at 21:35

    […] ich bereits den Träubleskuchen, die Brombeertorte, einen Spiegelei-Blechkuchen & die Marillentiramisu aus der Zeitschrift […]

  • Reply
    Heilig’s Blechle – Heute ist World Baking Day und es gibt einen schwäbischen Klassiker – Pfitzauf | Backbube
    19. Mai 2013 at 09:48

    […] (Da habe ich mir gedacht “Ja das machen wir doch gleich) ohne zu wissen, was es außer dem Träubleskuchen, den Mutzenmandeln und dem Ofenschlupfer eigentlich überhaupt noch für typisch Schwäbische […]

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